Folgen von Tschernobyl

Die genauen Folgen von Tschernobyl sind bis heute nur mehr oder weniger genau erfasst, was vor allem an der mangelnden Protokollierung und Aufzeichnung während und nach der Katastrophe liegt. Es gibt sowohl offizielle als auch inoffizielle Berichte, die sich in Umfang und Schwere der Folgen von Tschernobyl stark voneinander unterscheiden. Eins lässt sich jedoch mit Sicherheit sagen: die Katastrophe hat hunderttausenden das Leben gekosten oder komplett zerstört.

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Gesundheitliche Folgen von Tschernobyl für Mensch und Tier

Die offiziellen Zahlen: 3 Menschen sind beim Unfall selber, zum Beispiel durch Explosionen gestorben. 28 weitere in den ersten drei Monaten danach und einige hundert innerhalb von 10 Jahren aus unterschiedlichen Usachen. Die Organisation Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) schätzt jedoch, dass ungefähr 125.000 Arbeiter, die direkt nach der Katastrophe eingesetzt wurden, an den Folgen der Strahlung gestorben sind. Offiziell wurde abgestritten, dass die Strahlung größere Auswirkungen auf die Bevölkerung gehabt hat und haben wird. Jedoch wurden laut Untersuchungen bis zu 8 Millionen Einwohner dem radioaktiven Niederschlag ausgesetzt. Die Folge: die Zahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs ist signifikant angestiegen und lässt sich seit langem nicht mehr von den Regierungen kleinreden. Hinzu kommen erhöhte Raten von Leukämie sowie Brust-, Haut- und Darmkrebs unter der Bevölkerung. Schätzungen zu Folge werden bis 2065 ungefähr 16.000 Schilddrüsenkrebserkrankungen und 25.000 sonstige Krebserkrankungen zusätzlich auftreten.
Ebenso ist die tatsächliche Auswirkung auf die in der Sperrzone lebenden Tiere ungewiss. Während bei diversen Untersuchungen nur leicht gestiegene Werte von radioaktivem Cäsium im Fleisch toter Tiere gefunden wurde, kann auch hier nur geschätzt werden wie viele Tiere an den Folgen gestorben sind. Wahrscheinlich ist hierzu die Annahme, dass die Tiere an sich größtenteils gesund geblieben sind, jedoch durch die radioaktive Strahlung als Auswirkung der Katastrophe von Tschernobyl Gendefekte an ihre Nachfahren weitergeben werden.

Folgen von Tschernobyl für die Umwelt

Unumstritten ist die starke Schädigung der Umwelt durch die Katastrophe. Durch ungünstige Windverhältnisse wurden radioaktive Partikel von Cäsium-137 weit über Zentraleuropa bis in den Norden Skandinaviens verteilt. Während die Umwelt in der Sperrzone am stärksten geschädigt wurde, gibt es auch hier in Deutschland einige Gebiete, in denen keine erlegten Wildtiere verzehrt oder Pilze gesammelt werden sollten, da diese durch im Boden versickertes radioaktives Material bereits vorbelastet sind. Besonders betroffen ist der südliche Teil von Bayern sowie der Bayerische Wald. Dabei haben wir hier in Deutschland noch glück gehabt. Aufgrund guten Wetters hat es zur Zeit nach der Katastrophe kaum Niederschläge gegeben, weshalb der größte Teil des nuklearen Fallouts weiter getragen wurde. Gering angestiegene Messwerte wurden außerdem im Thüringer Wald, auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald gemessen.
Direkt nach der Katastrophe wurden aus Sicherheitsgründen 242 Eisenbahnwaggons Molke vernichtet, die Milchkühe leicht kontaminiertes Futter gefressen hatten. Sonst hatte die Katastrophe von Tschernobyl jedoch keine weiteren, signifikanten Auswirkungen auf die Deutsche Landwirtschaft. Das radioaktive Jod-131 ist bereits einige Tage nach dem Niedergang auf Deutschland zerfallen, eine Gefahr stellte Zäsium-134 dar, das erst nach etwa 5 Jahren zerfallen wäre. Jedoch wurden kaum erhöhte Mengen gemessen. Heute sind es lediglich einige Wildschwein-Populationen, die stärker mit Zäsium-137 kontaminiert sind. Diese werden jedoch durch Jäger in Schach gehalten und landen in der Regel nicht auf unseren Tellern.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Katastrophe von Tschernobyl hat enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft der Ukraine sowie für den Rest der EU. Abgesehen von dem Verlust eines kompletten Atomkraftwerkes, der Stadt Prypjat sind der Ukraine zudem große finanzielle Schäden durch die Evakuierung die Absicherung der Unfallstelle seit dem Tag der Katastrophe entstanden. Neben den Kosten für die Umsiedlung von 50.000 Menschen aus Prypjat sowie die drastische Reduzierung der Aktivitäten im Kraftwerk Tschernobyl erfordert die Sicherung der Sperrzone rund um die Uhr eine Absicherung durch das Militär.
Zudem schlagen die Kosten für den Bau des neuen Sarkophargs mit weit über 2 Milliarden Euro zu Buche. Während ein Teil von der EU, also auch Deutschland, übernommen wird, muss die Ukraine einen Teil aufbringen, was sich angesichts der leeren Staatskassen als schwierig erweist. Unterstützende Zahlungen von der EU wird die Ukraine auch in Zukunft verlangen. Denn selbst wenn der neue Sarkophag fertiggestellt ist, müssen noch enorme Geldmengen aufgewendet werden, um diesen weiter betreiben zu können. Es handelt sich weniger um ein einzelnes Gebäude als vielmehr um eine Meschine, die im Inneren klimatisiert werden muss. Erst gegen Ende 2017 wird klar werden, wie es mit der neuen Schutzhülle weitergeht.


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